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Die DGMP ist die deutsche wissenschaftliche Fachgesellschaft für Medizinische Physik.  Aufgaben und Ziele

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Interview zur Erteilung der Fachkunde für Medizinphysik-Experten

Die Fachkunde im Strahlenschutz für  Medizinphysik-Experten (MPE) wird in Deutschland von den zuständigen Stellen der Bundesländer erteilt. In dieses Verfahren wird die DGMP von Baden-Württemberg, Hessen und Bayern als Sachverständiger zur Begutachtung der Anträge mit einbezogen (http://www.dgmp.de/de-DE/506/fachkunde-mpe).

Prof. Dr. Martin Fiebich von der Technische Hochschule Mittelhessen und Prof. Dr. Wolfgang Enghardt von der Technische Universität Dresden sind seit der Etablierung dieses Verfahrens als Fachberater für die DGMP tätig. In einem Interview erläutern beide Hintergründe zur Antragstellung und wieso die Verfahren in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt werden.

Wie wird man in Deutschland eigentlich Medizinphysikexperte und gibt es eine Liste anerkannter Studiengänge, um sich direkt als Medizinphysikexperte ausbilden zu lassen?

Martin Fiebich: Um Medizinphysikexperte zu werden, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein.

Als erstes muss eine geeignete Ausbildung vorliegen. Die geeignete Ausbildung wird als nachgewiesen angenommen, wenn ein Masterstudium in Medizinischer Physik erfolgreich abgeschlossen wurde. Bei Absolventen anderer Studiengänge wird in der Regel ein Fachgespräch durchgeführt, in dem das äquivalente Qualifikationsniveau aufgezeigt werden muss. Auf der DGMP-Webseite findet sich eine Übersicht über Studiengänge in Medizinischer Physik.

Die zweite Voraussetzung ist der Nachweis der praktischen Erfahrung (Sachkunde). Die Sachkunde beinhaltet theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen in der Verwendung oder Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung mit einer Dauer von mindestens 24 Monaten. Die Fachkunden können für die Gebiete Nuklearmedizin, Brachytherapie, Teletherapie und Röntgendiagnostik beantragt werden. Für einzelne der Fachgebiete gibt es auch Teilfachkunden, z.B. für die Mammographie, die Röntgentherapie und bildgebende Verfahren in der Strahlentherapie. Bei Anträgen zur Anerkennung von Sachkundezeiten für das Gesamtgebiet sind mindestens 6 Monate Nuklearmedizin, mindestens 6 Monate Brachytherapie (umschlossene radioaktive Stoffe oder Afterloadingvorrichtungen), mindestens 6 Monate Teletherapie (Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlen, Gamma-Bestrahlungsvorrichtungen) und mindestens 6 Monate Röntgendiagnostik mittels Sachkundezeugnissen nachzuweisen. Die Sachkundeausbildung kann nur von einer Person durchgeführt werden, die auf dem entsprechenden Gebiet selber fachkundig ist. Als Stellen zum Erwerb der Sachkunde kommen hier in der Regel größere Abteilungen in Frage, da während des Erwerbs der Sachkunde nicht alle Aufgaben eines Medizinphysikexperten eigenverantwortlich übernommen werden dürfen und daher eine ausreichende Anzahl von fachkundigen Medizinphysikexperten gegeben sein muss.

Die dritte und letzte Voraussetzung ist der Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an den jeweils erforderlichen Strahlenschutzkursen.

Die Fachkunde für MPE wird in Deutschland von den Bundesländern erteilt - welche Rolle spielt hierbei die DGMP und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Bundesländern?

Wolfgang Enghardt: Die Durchsetzung der Strahlenschutz-Gesetzgebung in Deutschland obliegt den Bundesländern, die dafür entsprechende Behörden, Landesämter und zuständige Stellen eingerichtet haben. Dies bedeutet: Anträge auf Erteilung der Fachkunde als Medizinphysik-Experte sind immer an die zuständige Stelle des entsprechenden Bundeslandes zu richten.

Einige Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen) nutzen auf vertraglicher Basis die fachliche Beratung durch die DGMP für die Beurteilung der eingehenden Anträge. Erfahrene Fachberater der DGMP empfehlen Annahme oder Ablehnung des Antrages oder die Durchführung eines Fachgespräches, welches dann von der Geschäftsstelle der DGMP organisiert wird. Für die Durchführung der Fachgespräche haben sich dankenswerter Weise eine Reihe von DGMP-Mitgliedern mit langjähriger Erfahrung in der klinischen medizinischen Physik und in der akademischen Lehre als Fachberater zur Verfügung gestellt. Die Erteilung der Fachkunde erfolgt grundsätzlich immer durch die zuständigen Stellen der Bundesländer, nicht durch die DGMP, sie ist nur beratend tätig. Es ist ferner wichtig zu wissen, dass die in einem bestimmten Bundesland erteilte Fachkunde in ganz Deutschland gültig ist.

Bei einigen Antragstellern gibt es eine gewisse Unsicherheit bezüglich der in manchen Fällen zur Erteilung der Fachkunde erforderlichen Fachgespräche. Wann müssen Antragstellerinnen und Antragsteller in ein Fachgespräch und wie können sie sich auf ein Fachgespräch vorbereiten?

Martin Fiebich: Nach der Richtlinie „Strahlenschutz in der Medizin“ und der Richtlinie „Fachkunde und Kenntnisse im Strahlenschutz bei dem Betrieb von Röntgeneinrichtungen in der Medizin oder Zahnmedizin“ ist das Fachgespräch dann erforderlich, wenn kein Masterstudium in Medizinischer Physik abgeschlossen wurde.

Im Fachgespräch zeigt der Bewerber, dass er über die Master-äquivalenten Kenntnisse in der Medizinischen Physik. Dazu erklärt er theoretische Grundlagen aus den jeweiligen Fachgebieten und kann die Bezüge zur Praxis, zur Strahlenbiologie und zum Strahlenschutzrecht herstellen. Er zeigt im Fachgespräch, dass er die Kompetenzen besitzt, die in der Praxis anfallenden Probleme eigenständig zu lösen.

Zur Vorbereitung empfiehlt es sich, geeignete Lehrbücher durchzuarbeiten oder Veranstaltungen zur Weiterbildung (Winterschule, Tagungen, Fortbildungen) zu besuchen und gegebenenfalls mit Kollegen die Fachinhalte zu diskutieren, sofern die Kompetenzen noch nicht bereits während des Sachkundeerwerbs oder des Studiums geschehen. In der Regel wird ein vorbereiteter Bewerber im Fachgespräch erfolgreich zeigen können, dass er ausreichende Kompetenzen besitzt.

Bei Fragen zum Verfahren des Fachgesprächs kann man sich an die Geschäftsstelle der DGMP wenden.

Neben der von den zuständigen Stellen der Bundesländer erteilten Fachkunde im Strahlenschutz für MPE gibt es auch die von der DGMP erteilte Fachanerkennung in Medizinischer Physik. Was ist der Unterschied?

Wolfgang Enghardt: Um den Unterschied zwischen einem „Medizinphysik-Experten“ (MPE) und einem „Medizinphysiker (DGMP)“ zu verstehen, ist ein Blick in die entsprechenden Dokumente, nämlich das Strahlenschutzgesetz bzw. die Weiterbildungsordnung der DGMP, hilfreich. Nach Strahlenschutzgesetz ist ein MPE eine „Person mit Masterabschluss in medizinischer Physik oder eine in medizinischer Physik gleichwertig ausgebildete Person mit Hochschulabschluss, die jeweils die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzt.“ Der Gesetzgeber erteilt für therapeutische und diagnostische Tätigkeiten, bei denen ionisierende Strahlung oder radioaktive Stoffe am Menschen angewendet werden, nur dann die Genehmigung, wenn in der entsprechenden medizinischen Einrichtung ein MPE zur Mitarbeit bzw. Beratung hinzugezogen werden kann.

Die Berufsqualifikation eines MPE folgt also unmittelbar aus der Strahlenschutz-Gesetzgebung; d.h. die Tätigkeit des MPE ist ausschließlich auf die strahlenanwendenden Disziplinen der Medizin (Nuklearmedizin, Radiologie, Strahlentherapie) beschränkt. Damit ein Medizinphysiker selbstständig in einer solchen Einrichtung arbeiten kann, muss er zum Strahlenschutzbeauftragten bestellt werden. Voraussetzung dafür ist die Fachkunde als MPE.

Dagegen ist der Erwerb der „Fachanerkennung für Medizinische Physik der DGMP“ eine freiwillige Weiterbildung ohne unmittelbare Konsequenzen für die Berufsausübung. Allerdings weist die Fachanerkennung ihren Inhaber in der Regel als gut qualifizierten Medizinphysiker aus, was bei der Bewerbung um eine attraktive Stelle durchaus zum Erfolg verhelfen kann. Die Fachanerkennung ist auch nicht auf die strahlenanwendenden medizinischen Disziplinen beschränkt. So kann die Weiterbildung auf Spezialgebieten der medizinischen Physik, wie z.B. der klinischen Audiologie, der klinisch-medizinischen Optik oder der physikalischen Messtechniken in der Medizin, erfolgen.