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2. Treffen des DGMP Arbeitskreises Risikomanagement

Am 18. und 19.2. fand das zweite Treffen des Arbeitskreises Risikomanagement der DGMP im Universitätsklinikum der Goethe-Universität von Frankfurt/Main statt. Dieses stand zum Beginn ganz im Zeichen erster Zwischenberichte von Projektentwicklungen seit dem ersten Treffen des Arbeitskreises im Jahr zuvor in Berlin. Weiter wurden anlässlich der neuen Strahlenschutzverordnung und insbesondere des §126 darin, wonach der Strahlenschutzverantwortliche dafür zu sorgen hat, dass Risikoanalysen zur Identifikation und Bewertung von etwaigen Gefahren vor der erstmaligen Strahlentherapie von Patienten durchgeführt werden, mögliche Umsetzungen harmonisierter Vorgehensweisen diskutiert.

Entsprechend widmete sich der Arbeitskreis am ersten Tag unterschiedlichen Fallbeispielen, die mit prospektiven Risikoanalysen durchleuchtet und bewertet wurden. Besonders breiten Raum fand hierbei die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), deren Methodik und verschiedenen Gestaltungsarten auf Plausibilität und zielführende Anwendung hin durchaus auch kritisch diskutiert wurden. So können in Varianten der FMEA sowohl verschiedene Anzahlen von Risikofaktoren in der Bewertung berücksichtigt werden, als auch deren Bewertungsskalen in unterschiedlich fein gestufter linearer oder aber auch logarithmierter Form verwendet werden. Da diese Faktoren für die Risikoanalyse in der Strahlentherapie oft jedoch mangels statistischer ausreichender Daten z.B. über die Eintrittswahrscheinlichkeit subjektiv geschätzt werden, ist die Vergleichbarkeit der resultierenden Risikofaktorwerte und der aus dem Produkt daraus sich ergebenden Risikoprioritätskennzahl nur mit sehr großer Vorsicht zu sehen. Wichtigstes Ziel ist jedoch immer, Risiken zu identifizieren und dokumentiert zu minimieren.

Um letzteres ging es im zweiten Teil des ersten Tags bei den Ergebnissen der Arbeitsgruppe „Vorlage Risikomanagementakte“. Hier wurde eine umfassende Prozessliste von Aufgaben den Teilnehmern vorgestellt, in welchen entlang einer Strahlentherapie Risiken für den Patienten auftreten können. Darüber hinaus wurde die Rolle des Medizinphysikers im Rahmen des klinikweiten Risikomanagements thematisiert, da dies in das ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsmanagement eingebettet ist. Eine Kleingruppenarbeit beschloss den Programmteil des ersten Tages, der danach in einem gemeinsamen Abendessen ausklang.

Um ein übergeordnetes, rundes Gesamtbild zum Thema Risikomanagement zu erlangen, wurde am zweiten Veranstaltungstag die erste Hälfte von Referenten ohne medizinphysikalischen Hintergrund gestaltet. So boten sich spannende Einblicke in die Schlüsselkompetenzen einer erfolgreichen Kommunikationskultur am Beispiel der Luftfahrt im Vortrag der Kommunikationstrainerin und Chefstewardess Frau Elke Wilhelm aus Heidelberg, genauso wie im Erfahrungsbericht mit speziellem Augenmerk auf juristische Aspekte hinsichtlich des Risikomanagement in der Industrie von Herrn Marco Gruber aus der Schweiz. Hier wurde als besonders fortschrittlich die österreichische Norm ÖNR 49000 als Erweiterung zur DIN ISO 31000 zum Risikomanagement erwähnt, die u.a. auch ein Notfall- und Krisenmanagement umfasst.

Als letzter großer Programmpunkt wurde die retrospektive Risikoanalyse in Form von Fehlermeldesystemen behandelt. In diesem Zusammenhang fand die Vorstellung eines Pilotprojekts sowie einer möglichen Softwarelösung für ein anonymes CIRS (Critical Incident Reporting System) statt, das zur besseren Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit auch weitere Informationen anonymisiert sammeln soll. Um dieses ambitionierte Projekt weiterzuführen, wurde eine eigene Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich die klinikübergreifende Evaluierung von Erfahrungsmitteilungen zur Ursachenanalyse und die effektive Handhabung von Meldesystemen zum Ziel setzt. Eine weitere Arbeitsgruppe wird sich mit der weiteren Konkretisierung der BfS Empfehlungen zur Risikoanalyse in der Strahlentherapie von 2015 als Hilfestellung und zur Harmonisierung für die nun umzusetzenden gesetzlichen Vorgaben befassen.

So knüpfte das zweite Treffen des Arbeitskreises für Risikomanagement der DGMP erfolgreich an die vielversprechende Grundsteinlegung im letzten Jahr an, indem bereits erste Zwischenergebnisse von Projekten, die damals ihren Anfang gefunden hatten, präsentiert und eifrig diskutiert, sowie neue Initiativen gestartet wurden. Risikomanagement ist ein Prozess entlang eines Weges kontinuierlicher Verbesserung. Der Arbeitskreis macht das Beschreiten dieses Weges durch einen gemeinsamen Schulterschluss gangbarer und effizienter. In diesem Sinne kann einem weiteren Treffen des Arbeitskreises im nächsten Jahr mit Gewissheit und Freude entgegengeblickt werden.

Besonderen Dank gebührt den Gastgebern am Universitätsklinikum Frankfurt PD Dr. Ulla Ramm und Dr. Jörg Licher  sowie den Sprechern und Organisatoren des Arbeitskreises für Risikomanagement Prof. Dr. Markus Buchgeister und Dr.-Ing. Daniel Hummel.

Lukas Sölkner, AKH Wien