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Zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Ulrich Quast

Der Diplom-Physiker Herr Professor Dr. rer. nat. Ulrich Quast wird 80 Jahre alt.

Herr Professor Quast wird seinen 80. Geburtstag im engen Familien- und Freundeskreis feiern. Seinen Geburtstag nehmen wir zum Anlass, seinen Lebensweg und seine klinischen und wissenschaftlichen Leistungen für die jüngere Generation der Medizinphysiker darzustellen.

Ulrich Quast wurde am 30. März 1938 in Amsterdam, Niederlande geboren, wohin seine Eltern 1933 aus politischen Gründen emigrieren mussten. Er besuchte die Montessori Schule, die vom Kindergarten bis zum Abitur führt. Es war für ihn eine schöne Kindheit in dieser interessanten Stadt. Denn; vieles was er erlebte machte ihm erst später Sorgen: so wurden mehrere seiner Spielkameraden abgeholt und kamen nie wieder zurück. Als sein Vater eingezogen wurde, kehrte seine Mutter 1943 mit ihm zu den Großeltern nach Unna in Westfalen zurück. Dort ging er zur Schule und erlebte den Krieg und die Nachkriegszeit. Sein Abitur machte er in Bochum, wohin seine Eltern 1954 gezogen waren. Zu Beginn seines Studiums wurde er zur Gewissensprüfung bestellt. Doch durch seine Erfahrungen und durch das Studium der Antikriegsliteratur in der Schulzeit konnte er als Kriegsdienstverweigerer überzeugen.

Sein Physik-Studium führte ihn 1958 nach Frankfurt am Main, wo er 1965 seine Diplomarbeit auf dem Gebiet der experimentellen Kernphysik abschloss. Als Nebenfach belegte er Biophysik im Max-Planck-Institut. Als Physik-Doktorand ging er 1966 an die neue Ruhr-Universität Bochum. Dort mussten zunächst Forschung und Lehre geplant, aufgebaut und erprobt werden. Als Wissenschaftlicher Assistent half er für die Experimentalphysik Labore und Werkstätten aufzubauen sowie Praktika und Vorlesungen zu etablieren. Außerdem war er bei der Planung einer großen Kernphysik-Beschleunigeranlage beteiligt.

1973 wechselte Herr Dr. Quast zur Medizinischen Physik in die Abteilung für Klinische Strahlenphysik im Universitätsklinikum Essen. Als er 1974 in Essen eine Lebenszeitstelle als Wissenschaftlicher Assistent bekam, entschied er sich, zu seinen beiden Kindern noch zwei Kinder zu adoptieren. So kamen 1976 ein 6 Monate altes Mädchen, das in Quito, Ecuador geboren war und ein 9 Monate alter Junge, der in Bombay, Indien geboren war in die Familie. Alle vier Kinder machten ihr Abitur und studierten.

1976 wurde Herr Dr. Quast Leiter der Medizinischen Physik in Essen. Diese Position hatte er bis zur seiner Pensionierung im Jahre 2003 inne. In diesen 30 Jahren seiner Essener Zeit war die Medizinische Physik ganz besonders geprägt durch rasante Entwicklungen auf allen Gebieten der Strahlentherapie und den Bildgebenden Verfahren. Zusammen mit engagierten Essener Kollegen, Physik- und Informatik-Diplomanden sowie Physik-Doktoranden der Universität Dortmund und FH-Absolventen der FH-Aachen-Jülich wurden im Rahmen seiner zahlreichen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekte, Verfahren und Geräte für die Strahlentherapie, Dosimetrie und Bestrahlungsplanung sowie zur Qualitätssicherung der Tele- und Brachytherapie entwickelt. Die Ergebnisse wurden auf internationalen Tagungen vorgestellt und in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht. Themen waren u.a. das Zielvolumen-Konzept zur Planung und Dokumentation der Strahlentherapie, die Schonung von Risikoorganen, die Bestrahlungsplanung irregulär geformter Zielvolumina, die Erstellung von Kompensatoren zur Dosishomogenisierung im Zielvolumen, die Translations-Ganzkörperbestrahlung vor Transplantation haematopoetischer Stammzellen, die 3D-Bestrahlungsplanung, die Physik der Ultraschall-Bildgebung, die intrakavitäre Ultraschall-Lokalisation zur Brachytherapie gynäkologischer Tumoren und des Prostata-Karzinoms, die Plastikszintillator-Dosimetrie, die Augentumor-Brachytherapie und -Protonentherapie, die endovaskuläre Brachytherapie der Koronararterien zur Vermeidung von Restenosen und - im Jahr 2016 publiziert - der Brachytherapie-Strahlungsqualitäts-Index für Brachytherapie-Photonen.

Die Medizinphysik-Lehre begann 1973 mit dem Aufbau eines Dosimetrie- und Strahlenschutz-Praktikums für die neu geschaffene MTRA-Ausbildung. Ab 1975 wurden monatliche Arbeitstreffen für Medizin-Physiker (die meist alleine in Strahlentherapieabteilungen arbeiteten) durchgeführt, um praktische Erfahrungen zu vermitteln. Viele von ihnen hospitierten für mehrere Wochen oder Monaten in der Abteilung für Klinische Strahlenphysik in Essen. Nach der Habilitation 1983 wurden eigene Vorlesungen angeboten, insbesondere Blockvorlesungen über alle Verfahren der diagnostischen Bildgebung. In den 1970er Jahren wurden zusammen mit einem Strahlentherapeuten fünf mehrtägige Ultraschall-Seminare und -Praktika (an bis zu 20 Ultraschall-Geräten) organisiert, unterstützt durch mehrere Experten aus verschiedenen Gebieten der Ultraschall-Diagnostik. 1978 und 1980 wurden mit vielen Betreuern zwei mehrtägige Dosimetrie-Praktika für jeweils 75 Medizin-Physiker organisiert.

1992 wurde er zum Professor für Medizinische Physik ernannt.

Seit 1985 ist Herr Professor Quast Federführender des DGMP-Arbeitskreises K2: Physikalische Aspekte der Ganzkörperbestrahlung. Im Jahr 2003 wurde die gemeinsame DEGRO-Leitlinie/DGMP-Bericht 18:2003: Ganzkörper-Strahlenbehand­lung publiziert. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Beiträge zur Ganzkörperbestrahlung wurde Herr Professor Quast im Jahr 2003 Ehrenmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantation.

Um 2000 leitete Herr Professor Quast zusammen mit dem Leiter der Essener Kardiologie vier internationale Symposien auf dem Gebiet der Intravaskulären Brachytherapie mit zahlreichen internationalen Experten als Referenten. Im Rahmen dieses Projektes entstand der bilinguale DGMP-Bericht Nr. 16:2001 Leitlinie zu Medizinphysikalischen Aspekten der intravaskulären Brachytherapie.

Außerdem regte Herr Professor Quast die Gründung des DGMP-AK K18: Beta-Dosimetrie an. Im DGMP-AK K16: Medizinische Physik in Entwicklungsländern beteiligte er sich seit 1995 mit Vorträgen, Seminaren und Praktika an der Hilfe zur Selbsthilfe zum Aufbau der Medizinischen Physik in Bangladesh. Mehrmals reiste er nach Indien, um an Tagungen indischer Medizin-Physiker teilzunehmen. 2003 erhielt er den Ramaiah Naidu Memorial Oration Award in Erinnerung an den ersten indischen Medizin-Physiker, der übrigens bei Madame Curie in Paris promoviert hatte. In Indien und Bangladesch hat Herr Professor Quast einen hohen Bekanntheitsgrad, da er sich immer mit Rat und Tat für Physiker in den Entwicklungsländern engagiert hat.

Auch in der Normenarbeit hat Herr Professor Quast seine Erfahrungen seit 1983 bis heute bei der Erarbeitung von Begriffs-Normen eingebracht: E DIN 6814-15:1991 Begriffe und Benennungen in der medizinischen Diagnostik – Ultraschall; IEC 60788 CDV:1999 Medical Radiology – Terminology; ISO 21439 NP:2003 (ISO 21439:2007) Clinical Dosimetry – Beta radiation sources for brachytherapy sowie im Jahr 2018 DIN 6803-1:2018 Dosimetrie für die Photonen Brachytherapie – Begriffe.

Herr Professor Quast wurde Mitglied in mehreren internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften, z.B. der ESTRO (1983), AAPM (1985), AMPI (1996) und ASTRO (2000).

Wer Herrn Professor Quast persönlich kennt, weiß, dass er ein sehr hilfsbereiter Mensch ist. Wenn z.B. ein Medizinphysiker nach Essen kam um eine spezielle Technik zu erlernen, dann wurde er von Herrn Professor Quast und seinen Mitarbeitern herzlich empfangen, umfassend informiert und kompetent ausgebildet.

Herr Professor Quast hat als Leitender Physiker die Medizinische Physik in Essen durch seine Kompetenz und seinen unermüdlichen klinischen Einsatz geprägt. Er überzeugte, wie die beiden folgenden Beispiele zeigen, nachhaltig als Hochschullehrer. Die von ihm begonnene Kooperation mit der TU Dortmund besteht bis heute. In dieser Kooperation wird die episklerale Brachytherapie von intraokularen Tumoren wissenschaftlich auf höchstem Niveau u. a. von Herrn Dr. Flühs (ehemals Arbeitsgruppe (AG) Professor Quast) bearbeitet und auch noch heute von der DFG gefördert. Herr Dr. Markus Bambynek (ebenfalls ehemals AG Professor Quast) hat - im Rahmen seiner Doktorarbeit - in der PTB eine Primärnormal-Messeinrichtung zur Darstellung und Weitergabe der Messgröße Wasser-Energiedosis von Beta-Brachytherapiestrahlern aufgebaut.
Wir wünschen Herrn Professor Quast viele schöne Jahre bei guter Gesundheit und weiter viel Kreativität.
G. Abu Zakaria und Theodor W. Kaulich